- 14:10 - Di., 31 Aug. 2010
- 1 Anmerkung
Fünf Fragen an… Dr. Klaus Ceynowa
Bibliotheken sind heutzutage viel mehr als Büchersammlungen, sie sind Innovationszentren für digitale Informationstechnologie und –dienste.

Zu den wichtigsten gehört die Bayerische Staatsbibliothek in München, deren stellvertretender Generaldirektor Dr. Klaus Ceynowa seit 2005 ist. 2007 hat er federführend den Vertrag mit Google zur Digitalisierung des gesamten urheberrechtsfreien Bestandes der Bibliothek, insgesamt mehr als 1 Million Bücher, verhandelt. Klaus Ceynowa hat zahlreiche Aktivitäten im Umfeld digitaler Informationsservices der Bayerischen Staatsbibliothek initiiert, u.a. den weltweit ersten Einsatz von Scanrobotik zur Buchdigitalisierung und die technische Aufbereitung von Digitalisaten zu virtuellen 3D-Objekten. Er ist ebenfalls verantwortlich für die Veröffentlichung der kostenlosen App Famous Book — Treasures of the Bavarian State Library.
PADOLOGISCH: Herr Dr. Ceynowa, beruht Famous Books auf einer Idee, die nur auf ein passendes Medium gewartet hat oder haben erst die Fähigkeiten des iPad sie dazu inspiriert? Hätten Sie die Anwendung auch nur für das iPhone veröffentlicht?
Dr. Klaus Ceynowa: In der Tat haben die mit der App Famous Books präsentierten Werke im iPad das ideale Medium gefunden. Mit mehr als 92.000 Handschriften, 20.000 Inkunabeln und 140.000 Drucken des 16. Jahrhunderts zählt die Bayerische Staatsbibliothek zu den international bedeutendsten Bibliotheken auf dem Feld des schriftlichen Kulturerbes der Menschheit. Seit vielen Jahren digitalisieren wir zusehends größere Teile dieser einzigartigen Bestände, um sie weltweit kostenfrei über das Internet verfügbar zu machen. Hierbei ist uns grundsätzlich jeder „Kanal“ und jedes Medium willkommen, dass uns eine neue Chance eröffnet, diesen Content in der digitalen Welt sichtbar werden zu lassen. Hierzu zählen zum einen Portale wie etwa Europeana oder die World Digital Library, aber natürlich auch neue Endgeräte wie das iPad. Mit seinem hochauflösenden, farbbrillanten Display ist das iPad wie geschaffen für die Wiedergabe prachtvoll illuminierter, digitaler Buchkunstwerke – eBooks aus dem Mittelalter, wenn Sie so wollen. Sie sehen das sofort, wenn Sie sich etwa das Evangeliar aus dem Bamberger Dom, das zum UNESCO Memory of the World zählt, auf dem iPad durchblättern. Als Hybrid-App ist Famous Books auch auf dem iPhone verfügbar, und insbesondere das Retina-Display des iPhone 4 bietet hier eine einzigartige Präsentation der in der App verfügbaren Werke.
PADOLOGISCH: Tablet-PC, eBook-Reader, “consumption device” — nichts neues eigentlich. Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg des iPad aus? Was war für Sie ausschlaggebend gerade auf dieser Plattform ein solches Projekt zu starten?
Dr. Klaus Ceynowa: Der Erfolg des iPads liegt wohl vor allem in der extrem nutzerfreundlichen Usability, wodurch es auch für breite Zielgruppen jenseits der im engeren Sinne „technikaffinen“ Klientel interessant wird. Hinzu kommt natürlich der globale Verbreitungsgrad und die immense Popularität von iTunes und App-Store, die für uns der ausschlaggebende Grund waren, Famous Books gerade auf dieser Plattform anzubieten. Hier haben Sie eine echte Chance, wirklich webscale sichtbar und genutzt zu werden. Die Tatsache, dass wir in der Kategorie „Bücher“ auch sieben Wochen nach dem Launch unserer App noch unter den ersten 10 der beliebtesten Gratis-Apps stehen, zeigt, dass diese Entscheidung richtig war.
PADOLOGISCH:In wie weit ist Famous Books nicht nur ein technologisches Experiment, sondern auch der Versuch neue Zielgruppen für vergessenes Kulturgut zu begeistern?
Dr. Klaus Ceynowa: Glücklicherweise kann man nicht von „vergessenem Kulturgut“ sprechen. Die einzigartigen Handschriften, Inkunabeln und Drucke unseres Bestandes werden weltweit für Ausstellungen ebenso wie für wissenschaftliche Editions- und Forschungsvorhaben nachgefragt. Schon aus konservatorischen Gründen können aber in einer Ausstellung im Regelfall nur zwei Seiten aus einem Werk, dass u.U. viele Hundert kunstvoll gestaltete Seiten hat, in einer Vitrine zur Schau gestellt werden. Für unsere absoluten Spitzenstücke bietet die App nun die Möglichkeit, die Digitalisate dieser Werke von der ersten bis zur letzten Seite zu betrachten. Das können Sie zwar auch über unsere Website und diverse Internetportale, aber nirgendwo so schön wie auf dem iPad. Und genau das ist auch unser Ziel mit der App: das kulturinteressierte Segment der iPad- und iPhone-User für die Schätze der Bayerischen Staatsbibliothek zu begeistern.
PADOLOGISCH: Wie geht es Ihnen persönlich: Sind Sie hin und her gerissen zwischen der Qualität und der Haptik eines liebevoll gestalteten, gedruckten Buches und der recht nüchternen, aber funktionalen Zugänglichkeit einer digitalen Veröffentlichung?
Dr. Klaus Ceynowa: Auch wenn Sie es vielleicht nicht glauben werden: Bibliothekare haben zumeist ein ziemlich prosaisches Verhältnis zum Medium „Buch“. Wir sind Informationsdienstleister und keine Bibliophilen. Das Buch ist für uns ein Informationsträger neben vielen anderen, wobei das breite Spektrum der elektronischen Informationsmedien derzeit organisatorisch, logistisch und finanziell eindeutig die größeren Herausforderungen stellt. Die Präferenz für ein bestimmtes Medium hängt also ganz vom jeweiligen Nutzungsszenario ab. Nehmen sie ein Beispiel aus dem privaten Bereich: Für die Strandlektüre ist das iPad vielleicht nicht das beste Gerät — Sandkörner und sonnencremefettige Hände bekommen ihm nicht so gut. Aber als eBook-Reader für zum Beispiel eine 800seitige Biographie ist es eine echte Alternative zur bleischweren Printversion.
PADOLOGISCH: Hat das iPad auch jenseits des beruflichen Interesses einen Platz in Ihrem Leben eingenommen?
Dr. Klaus Ceynowa: Ja, und zwar einen zusehends größeren Platz: Web-Browsing und die Bearbeitung von E-Mails erledige ich immer dann, wenn ich nicht gerade am Schreibtisch sitze, fast nur noch mit dem iPad. Überhaupt ist das iPad ein sozial außerordentlich kompatibles Gerät. Es gibt beruflich — z.B. ein Kleingruppen-Meeting — wie auch privat eine ganze Reihe von Situationen, wo es einfach unpassend oder direkt unhöflich ist, sein Laptop aufzuklappen und drauflos zu tippen. Da ist das iPad ein wesentlich dezenteres und diskreteres Gerät, dass weit weniger invasiv daherkommt.
Home Screen
“Meine aktuelle Lieblingsapp ist das Zeichnen- und Mal-Programm Brushes, dass ich schon auf dem iPhone sehr geliebt habe und das jetzt ganz aktuell auch als iPad-Edition verfügbar ist. Mit dem großen iPad-Display macht es natürlich noch viel mehr Spaß. Die Versuchung, Brushes während eines langweiligen Vortrages oder einer textüberfrachteten Präsentation aufzurufen, ist mit dem iPad besonders groß – siehe Frage 5!”
Lesen Sie dazu auch die Besprechung der App Famous Books.
- 14:05
Famous Books: eBooks aus dem Mittelalter
Der App Store von Apple hat jüngst die Grenze von 250.000 Apps überschritten. Die meisten Veröffentlichungen verzeichnet dabei — fast ein wenig überraschend — die Kategorie “Bücher” (allerdings nicht zu verwechseln mit Inhalten für iBooks), Spiele liegen erst knapp dahinter auf Platz 2.
Pop- versus Hochkultur
Geht man nach den deutschen Bücher-App-Charts für das iPhone, so hat die Nutzerschaft vor allem ein Interesse an Meisterwerken wie dem “Zimmermädchen” der Autorin Lucy Palmer — die Wiedergeburt des Groschenromans im digitalen Zeitalter. Zum Glück gibt es auch zunehmend hochwertige App-Veröffentlichungen die vordere Platzierungen erreichen und vor allem auf dem iPad Ihre Vorteile gegenüber den herkömmlichen eBook-Formaten ausspielen können.
Ein von Beginn an sehr erfolgreicher Vertreter dieser Art ist die App Famous Book — Treasures of the Bavarian State Library. Im Juli 2010 hat die Bayerische Staatsbibliothek als erste Bibliothek weltweit kostbare digitalisierte Spitzenstücke aus ihrem Bestand als kostenlose Anwendung für das iPad und das iPhone veröffentlicht. Die App zeigt 52 einzigartige Handschriften und wertvollste Drucke wie beispielsweise Wolfram von Eschenbachs Parzifal, das Nibelungenlied oder das Evangeliar aus dem Bamberger Dom.

Mittelalterliche Handwerkskunst trifft auf modernste Technologie
Nach dem Herunterladen startet man die Reise mit einer Übersicht aller enthaltenen Werke, eine Filterung nach Kategorien (z.B. “Gutenberg and his Peers”, aber auch “Oriental and Asian treasures”) ist möglich. Welches Buchkunstwerk man betrachten will, kann unter anderem mit einem Cover Flow der Titelseiten entschieden werden. Der Wechsel in den Querformat-Modus ist jederzeit möglich und bringt eine sinnvolle Anpassung des Layouts mit sich.

Ohne Internet-Verbindung endet das Lesevergnügen nun allerdings frühzeitig: die weiteren Inhalte werden stets online abgerufen (sicherlich aufgrund des schieren Umfangs von insgesamt mehreren tausend Seiten). Beim Blättern wird zwar die jeweils nächste Seite vorgeladen, was einen guten Lesefluss ermöglicht, einen persistenten Cache für die zuletzt betrachteten Werke zur späteren Offline-Lektüre gibt es aber nicht.
Die aktuelle Seite lässt sich iOS-typisch per Doppeltippen oder Pinch zoomen, enthüllt dabei auf höchster Stufe jedoch auch die limitierte Auflösung der Bilder. Thumbnails ermöglichen die Navigation zu einer bestimmten Stelle, außerdem lassen sich Kurzinformationen zum dargestellten Buch anzeigen.


Fazit
Es macht Spaß gerade auf einem der modernsten Lesegeräte eine Entdeckungstour zu diesen alten Schätzen zu machen. So blättert man durch 1000 Jahre Kultur und Buchkunst aus dem europäischen, orientalischen und asiatischen Raum wie in einem typischen Coffee Table Bildband: Das Interface der Anwendung ist schlicht und lässt die Werke für sich sprechen, der Funktionsumfang ist überschaubar aber in diesem Kontext vollkommen ausreichend. Ein automatisches Lesezeichen wäre nützlich — momentan beginnt man nach einem Neustart immer wieder bei der Gutenberg-Bibel. Die Bildqualität der Digitalisate ist sehr gut, auch wenn man beim Eintauchen in die filigransten Details der Handschriften und Illustrationen technikbedingt an Grenzen stößt.

Insbesondere für ein kostenloses Angebot jedoch eine gelungene Veröffentlichung (es gibt jede Menge kostenpflichtige Bücher-Apps die weniger bieten und liebloser umgesetzt sind) und ein sehr begrüßenswerter Verstoß der Bayerischen Staatsbibliothek in neue Richtungen — mehr davon!
Lesen Sie dazu auch das Interview mit Dr. Klaus Ceynowa, dem stellvertretenden Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek.
- 14:59 - Mi., 4 Aug. 2010
- 2 Anmerkungen
Fünf Fragen an… Dr. Rudolf Mumenthaler
In dieser Rubrik sollen zukünftig iPad-Besitzer zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen - vor allem im professionellen Einsatz - berichten.
Den Anfang macht heute Dr. Rudolf Mumenthaler, Leiter des Bereichs Innovation und Marketing an der ETH-Bibliothek in Zürich. Seit 2009 befasst er sich dort mit Innovationsmanagement und setzt sich dabei intensiv mit E-Book-Readern und ihren Einsatzmöglichkeiten in Hochschulbibliotheken auseinander.
In seinem Blog hat er bereits zahlreiche Beiträge zu seinen Erfahrungen mit E-Book-Readern und zuletzt dem iPad veröffentlicht, ganz aktuell in einem Artikel mit dem Titel iPad als Notebook-Ersatz?.
PADOLOGISCH: Herr Dr. Mumenthaler, wie magisch und revolutionär ist denn nun das iPad? Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Dr. Mumenthaler: Ja, meine Erwartungen wurden erfüllt. Magisch ist die Leichtigkeit und Geschwindigkeit, mit der man die unterschiedlichsten Inhalte nutzen kann. Der Zugang zu Mails, zum Kalender und zu allen möglichen Internetquellen ist so einfach wie mit keinem anderen Gerät. Im Vergleich zu PCs hat mich insbesondere die Schnelligkeit überrascht. Das iPad ist in Sekundenbruchteilen gestartet. Deshalb checke ich Mails und News im Web am liebsten vom iPad aus.
PADOLOGISCH: Sie haben den Selbstversuch gemacht, ihr Notebook im Dock gelassen und sich auf das iPad als mobilen Computer beschränkt - mit welchem Ergebnis?
Dr. Mumenthaler: Mit sehr zufriedenstellendem Ergebnis. Zunächst schone ich meinen Rücken, da ich viel weniger Gewicht mit mir herumtrage. Trotzdem konnte ich wirklich fast alle Aufgaben mit dem iPad lösen. Ich habe sogar eine Vortragspräsentation direkt ab iPad (mit Keynote) über den Beamer gemacht. Da das iPad keine der üblichen Hardware-Schnittstellen aufweist, insbesondere keine Anschlussmöglichkeit für einen USB-Stick, ist die Integration in die Cloud umso wichtiger. Die Synchronisation via iTunes als Hauptweg finde ich nicht zeitgemäss.
Dabei vermisse ich auch eine File-Struktur auf dem iPad, wie sie für PC und Mac selbstverständlich ist. Es gibt auf dem iPad also keinen Ort, an dem ich alle Dokumente speichern kann. Auch dafür muss ich den Umweg über Applikationen wie Dropbox nehmen. Ideal wäre ein virtuelles Laufwerk, das die Daten in der Cloud speichert, die dann von jeder Applikation auf dem iPad (und dem PC) erreichbar wären. Das vermisse ich mehr als die USB-Schnittstelle.
PADOLOGISCH: Das iPad als Notebook-Ersatz? - viele Medien haben in ihren ersten Besprechungen ähnliche Vergleiche gezogen. Muss man sich davon nicht etwas lösen? Ist das iPad zwar für manche Aufgaben weniger geeignet, öffnet dafür aber die Türen für ganz neue mobile Einsatzgebiete?
Dr. Mumenthaler: In meinem Fall deckt das iPad die allermeisten Anwendungsfälle ab, die ich sonst mit dem Notebook erledigt habe. Insofern ersetzt es mir das Notebook sehr gut, aber nicht den PC. Wobei Smartphones (nicht nur das iPhone…) hier noch weitere Möglichkeiten bieten, für die das iPad dann doch wieder zu sperrig ist. Vom iPhone aus nutze ich zum Beispiel die geobasierten Anwendungen wie Foursquare oder auch Apps zum Aufzeichnen von Trainingseinheiten beim Jogging. Also ist das iPad eben doch ein zusätzliches Gerät zum PC und zum Smartphone.
PADOLOGISCH: Nur eine Minderheit der existierenden Apps nutzt bereits konsequent alle Möglichkeiten des iPads (z.B. das Multitouch-Bedienkonzepts), Spiele präsentieren dabei häufig noch die innovativsten Ideen. Ist das ein natürlicher Lernprozess? Erwarten Sie in einem Jahr Anwendungen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können?
Dr. Mumenthaler: Oh ja. Die neuste solcher Anwendungen, die ich mir bisher gar nicht vorstellen konnte, ist Flipboard. Es bietet auf geniale Weise die Integration der sozialen Netzwerke und von News in eine personalisierte Oberfläche, die nach einem professionellen Magazin aussieht. Ich sehe hier durchaus Parallelen zur Entwicklung bei den Smartphones. Wenn ich denke, wie sich die geobasierten Informationen oder augmented Reality, die vor kurzem noch nach reiner Science Fiction tönten, durchsetzen konnten, dann kann beim iPad noch viel passieren. Das iPhone hat einen gewaltigen Innovationsschub ausgelöst, und ich erwarte das auch beim iPad. Nicht nur bei den Spielen, sondern auch bei alltäglichen Anwendungen, wie z.B. bei den News. Auch die E-Books dürften künftig vermehrt mit multimedialen Inhalten angereichert werden und ganz neue Präsentationsformen bringen.
PADOLOGISCH: Wie beurteilen Sie das iPad im Vergleich mit dedizierten E-Book-Readern wie dem Kindle von Amazon? Gibt es einen Markt für beide Gerätearten oder werden sich langfristig die Multifunktionalen durchsetzen?
Dr. Mumenthaler: Amazon hat mit der massiven Preisreduktion gezeigt, wo die Zukunft der dedizierten E-Book-Reader sein wird: als preisgünstiges mobiles Lesegerät. Der Kindle spricht eine ganz andere Zielgruppe an als das iPad. In den USA sind weit über die Hälfte der Kindle-User über 40 Jahre alt, und diese Zielgruppe ist ja durchaus interessant. Das iPad dagegen spricht auch jüngere Generationen an. Als eReader sind hier die Zeitungen und Magazine wichtiger als die E-Books. Aktuelle Nutzerstudien zeigen, dass nur rund ein Drittel der iPad-Nutzer das Gerät zum Lesen von E-Books einsetzt. Wichtigste Anwendung des iPad ist die Internetnutzung. Insofern gibt es für beide Geräte einen Markt.
Nach seiner aktuellen Lieblingsapp gefragt, zeigt sich Dr. Mumenthaler zwar momentan von Flipboard begeistert, gibt dann aber doch Dropbox den Vorzug. Mit Hilfe von Dropbox lasse sich das iPad recht gut in die Cloud integrieren, um Dokumente zwischen PC, Mac, iPhone und iPad auszutauschen und auch mit anderen Personen zu teilen: “In Verbindung mit Quickoffice kann ich alle gängigen Dokumente – vom Worddokument, über eine Exceltabelle bis zur PowerPoint-Präsentation – verwalten und online nutzen. Bei Keynote und Pages vermisse ich die Unterstützung von Dropbox. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.”
- 22:08 - Fr., 30 Juli 2010
- 1 Anmerkung
Papierloses Lesen (2): National Geographic Deutschland
Die meisten Verleger von Zeitungen und Zeitschriften haben ein Problem: Die Verkaufs- und Abonnementzahlen ihrer klassischen Print-Publikationen sind rückläufig, für Inhalte im Internet gegen Geld hat man aber auch noch keine nachhaltig funktionierende Strategie gefunden (und schiebt die Schuld lieber Google in die Schuhe) - die Suche nach dem heiligen Gral der digitalen Verwertung ist also noch nicht beendet.
In der Zwickmühle
Neben dem Kindle von Amazon und anderen dedizierten E-Book-Lesern eröffnet das iPad nun einen weiteren Markt: Gerade das farbige Display und die multimedialen Fähigkeiten machen es für Magazine interessant und stellen damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber den E-Ink-basierten Geräten dar.
Soweit die Theorie, in der Praxis ergeben sich jedoch einige Schwierigkeiten, weshalb der große Durchbruch noch auf sich warten lässt. Da wäre einmal der Vertriebsweg: beim Verkauf über den App Store muß der Verlag 30% seines Kuchens abtreten - das ändert sich auch bei den sogenannten In-App-Käufen nicht. Insbesondere beim Abonnement-Geschäft möchten die Unternehmen das vermeiden und eine eigene Abrechnung vornehmen, eine Einigung mit Apple wurde bisher aber noch nicht erzielt.
Auf der anderen Seite steht die Herausforderung, die Inhalte passend aufzubereiten. Die landläufige Meinung ist, dass digitale Produkte weniger kosten müssen, als ihre analogen Gegenstücke - weil doch anscheinend die Herstellungskosten geringer sind und die Lieferkosten wegfallen. Dementsprechend schwierig ist es einem potentiellen Käufer zu vermitteln, warum er ähnliche Preise für eine App-Ausgabe wie für das bedruckte Papier am Kiosk bezahlen soll. Ein Blick in die App Store Bewertungen der betroffenen Apps offenbart: in Ermangelung der Kenntnis der genauen Zusammenhänge wird der Hersteller dabei oft als Übeltäter aus Profitgier wahrgenommen - vielleicht zu unrecht. Mögliche Lösung: einen Mehrwert der digitalen Editionen generieren - was jedoch unterschiedlich gut gelingt und u.U. mit erheblichen Produktionskosten verbunden ist.

Nationale Geografie aus Deutschland
Diese Woche erschien mit der iPad-Variante des National Geographic ein weiterer Mitspieler am deutschsprachigen Markt - da ich die Printausgabe gut kenne, erschien mir ein Vergleich interessant.
Für 3,99€ (gegenüber 5,00€ im Zeitschriftenhandel) erhält man das vollständige Juli-Heft. Damit habe ich zunächst einmal kein Problem - nach meinen Vorüberlegungen dürften Preise von 50% oder weniger des Ladenpreises unrealistisch sein (auf der anderen Seite: neue Titel und Formate werden im Handel zur Einführung oft mit erheblichen Rabatten promotet - warum nicht auch hier?). Den möglichen Vorteil einer Verfügbarkeit vor der gedruckten Ausgabe hat man diesmal verschenkt - was nicht heißen muss, dass das so bleibt.

Das Interface ist zwar minimalistisch, aber nach meinem Geschmack durchaus noch ausreichend: Seiten lassen sich wie gewohnt per Wischen umblättern und mit zwei Fingern zoomen, Miniaturansichten und ein Inhaltsverzeichnis können zur direkten Navigation einblendet werden, nach Drehung in den Landschafts-Modus des iPads wird eine Doppelseite dargestellt. Soweit so gut, doch damit endet leider auch schon die Liste der positiven Dinge.
Pixelfäule
Das Zoomen ist stufenlos möglich, wird aber ab einer relativ kleinen Vergrößung bereits blockiert - verpassen tut man dabei nichts (dazu gleich mehr). Im herangezoomten Zustand ist kein Blättern möglich, man muß zunächst in die 100%-Ansicht zurückkehren. Wenig benutzerfreundlich: Die letzte Leseposition wird beim Verlassen der Applikation nicht gespeichert - man startet bei jedem Aufruf wieder auf der Titelseite.

Der weitaus schlimmste Mangel ist jedoch die fehlende Qualität der integrierten Fotos: bei einigen sind bereits in der normalen Darstellung Komprimierungsartefakte in Form von Schlieren sichtbar. Die Zoomfunktion wird dadurch wertlos, dass sie keine zusätzlichen Details der Fotografien und Illustrationen zu Tage bringt, sondern nur gröbere Pixel. Bei einem Magazin, das u.a. für seine Bildberichterstattung weltberühmt ist, schmerzt dies umso mehr. Ironischerweise scheinen die ebenfalls enthaltenen Werbeseiten mit einer höheren Auflösung hinterlegt zu sein: die Bildschärfe sowie die Darstellung beim Vergrößern sind allgemein etwas besser.
Glorifizierter PDF Betrachter
Damit ist die Anwendung leider kein untypischer Vertreter ihrer Zunft: Als Ausgangsbasis diente offensichtlich ein PDF der fertigen Printausgabe. In punkto Navigation und Funktionsumfang wird nichts geboten, was ein generischer PDF Betrachter wie der Goodreader oder sogar iBooks nicht genauso gut oder besser machen würden. Doch selbst unter diesen Voraussetzungen wäre es sicher möglich gewesen, wenigstens das Bildmaterial in angemessener Qualität zu präsentieren.

Immerhin (oder leider) scheint sich der Herausgeber der Unzulänglichkeiten bewusst zu sein - so würde ich zumindest die Vorstellung auf der eigenen Website interpretieren:
“Für das Juli-Heft war es uns noch nicht möglich, alle unsere Ideen umzusetzen.” […] Dennoch: Mit einigen Änderungen in der Bedienung sowie kleineren Layoutanpassungen ist es uns gelungen, den Inhalt unseres Magazins in den Mittelpunkt zu stellen und NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND auf dem iPad gut erfahrbar zu machen.”
Letzteres kann ich leider nicht bestätigen. Ob man sich und dem gesamten Markt der E-Publikationen einen Dienst erweist, indem man solche uninspirierten Konzepte veröffentlicht und damit die existierenden Befürchtungen und Vorurteile schürt, wage ich zu bezweifeln.
Fazit
Der Sprung vom Papier auf den Touchscreen ist dem National Geographic Deutschland mit dieser ersten iPad-Ausgabe noch nicht geglückt: für diesen Preis wird einfach zu wenig geboten - bleibt zu hoffen, dass man bei zukünftigen Ausgaben schnell nachbessert. Wer sich bereits jetzt gelungenere Versuche ansehen möchte, dem seien z.B. die Apps der amerikanischen Magazine WIRED, Popular Science oder Popular Mechanics empfohlen.
- 10:53 - Do., 29 Juli 2010
Papierloses Lesen: Fiktionale Texte
Gestern Abend habe ich das erste fiktionale Werk (Ilium von Dan Simmons) auf dem iPad zu Ende gelesen.
Zeitungen, Magazine und Sachbücher sind eine Sache und das iPad als elektronische Bibliothek für meine Fachliteratur war von Anfang an ein geplantes Einsatzgebiet*, aber was die Lektüre von Belletristik angeht war ich doch immer mehr als skeptisch (zumal ich Bücher wirklich liebe und keinen Laden ohne Kauf verlassen kann…).
Nach dieser ersten eigenen Erfahrung stelle ich nun fest: es ist OK. Im Urlaub am Strand würde ich aus praktischen Erwägungen immer noch die Papiervariante dem 600€-Reader vorziehen, aber meine Leidenschaft für die visuelle und haptische Qualität eines Taschenbuchs im Wert von 10€, dass nach einmaligem Lesen vermutlich nie wieder angefasst wird, hält sich dann doch in Grenzen (ich muss auch sagen: irgendwann gibt es auch einfach ein Platzproblem).
Eine Zwischenfrage die sich mir gerade noch stellt und auf die ich als Laie durch simples Nachdenken (keine gefällten Bäume: gut - elektronische Lesegeräte aus China: schlecht) keine klare Antwort finde: wie steht es eigentliche um den ökologischen Fußabdruck von Büchern versus ihren digitalen Ausgaben?
Gelesen habe ich meist in der U-Bahn oder im Bett (d.h. mein eigentliches Leseverhalten ist vom Medium unberührt geblieben), von zusätzlichen (Lesen im Bett macht mich ohnehin meist schläfrig…) Ermüdungserscheinungen aufgrund der Anzeigetechnik kann ich nicht berichten (Tipp für Kinder: Lesen unter der Bettdecke benötigt keine zusätzliche Taschenlampe, ist aber auch lange nicht so romantisch…).
Amüsanter Nachteil der elektronischen Version: bereits vorgestern Abend dachte ich, ich wäre kurz vor Ende des Buchs und müsste “nur noch schnell die letzten Seiten” lesen. Leider stellte sich dann heraus, dass ich mich im Lesewahn bei den Seitenzahlen vertan und noch weitere 100 Seiten vor mir hatte - das wäre mir mit dem Taschenbuch nicht passiert.
Fazit
Papierlose Romane? Hin und wieder ja, z.B. auch für frei erhältliche Ebooks wie die Werke von Cory Doctorow - aber ich kann mir immer noch nicht vorstellen irgendwann keine Bücher mehr zu kaufen.
* Zu den anderen Textformen werde ich noch weitere Erfahrungsberichte schreiben.



