Posts mit Tag Apps
14:05 - Di., 31 Aug. 2010

Der App Store von Apple hat jüngst die Grenze von 250.000 Apps überschritten. Die meisten Veröffentlichungen verzeichnet dabei — fast ein wenig überraschend — die Kategorie “Bücher” (allerdings nicht zu verwechseln mit Inhalten für iBooks), Spiele liegen erst knapp dahinter auf Platz 2.

Pop- versus Hochkultur

Geht man nach den deutschen Bücher-App-Charts für das iPhone, so hat die Nutzerschaft vor allem ein Interesse an Meisterwerken wie dem “Zimmermädchen” der Autorin Lucy Palmer — die Wiedergeburt des Groschenromans im digitalen Zeitalter. Zum Glück gibt es auch zunehmend hochwertige App-Veröffentlichungen die vordere Platzierungen erreichen und vor allem auf dem iPad Ihre Vorteile gegenüber den herkömmlichen eBook-Formaten ausspielen können.

Ein von Beginn an sehr erfolgreicher Vertreter dieser Art ist die App Famous Book — Treasures of the Bavarian State Library. Im Juli 2010 hat die Bayerische Staatsbibliothek als erste Bibliothek weltweit kostbare digitalisierte Spitzenstücke aus ihrem Bestand als kostenlose Anwendung für das iPad und das iPhone veröffentlicht. Die App zeigt 52 einzigartige Handschriften und wertvollste Drucke wie beispielsweise Wolfram von Eschenbachs Parzifal, das Nibelungenlied oder das Evangeliar aus dem Bamberger Dom.

Mittelalterliche Handwerkskunst trifft auf modernste Technologie

Nach dem Herunterladen startet man die Reise mit einer Übersicht aller enthaltenen Werke, eine Filterung nach Kategorien (z.B. “Gutenberg and his Peers”, aber auch “Oriental and Asian treasures”) ist möglich. Welches Buchkunstwerk man betrachten will, kann unter anderem mit einem Cover Flow der Titelseiten entschieden werden. Der Wechsel in den Querformat-Modus ist jederzeit möglich und bringt eine sinnvolle Anpassung des Layouts mit sich.

Ohne Internet-Verbindung endet das Lesevergnügen nun allerdings frühzeitig: die weiteren Inhalte werden stets online abgerufen (sicherlich aufgrund des schieren Umfangs von insgesamt mehreren tausend Seiten). Beim Blättern wird zwar die jeweils nächste Seite vorgeladen, was einen guten Lesefluss ermöglicht, einen persistenten Cache für die zuletzt betrachteten Werke zur späteren Offline-Lektüre gibt es aber nicht.

Die aktuelle Seite lässt sich iOS-typisch per Doppeltippen oder Pinch zoomen, enthüllt dabei auf höchster Stufe jedoch auch die limitierte Auflösung der Bilder. Thumbnails ermöglichen die Navigation zu einer bestimmten Stelle, außerdem lassen sich Kurzinformationen zum dargestellten Buch anzeigen.

Fazit

Es macht Spaß gerade auf einem der modernsten Lesegeräte eine Entdeckungstour zu diesen alten Schätzen zu machen. So blättert man durch 1000 Jahre Kultur und Buchkunst aus dem europäischen, orientalischen und asiatischen Raum wie in einem typischen Coffee Table Bildband: Das Interface der Anwendung ist schlicht und lässt die Werke für sich sprechen, der Funktionsumfang ist überschaubar aber in diesem Kontext vollkommen ausreichend. Ein automatisches Lesezeichen wäre nützlich — momentan beginnt man nach einem Neustart immer wieder bei der Gutenberg-Bibel. Die Bildqualität der Digitalisate ist sehr gut, auch wenn man beim Eintauchen in die filigransten Details der Handschriften und Illustrationen technikbedingt an Grenzen stößt.

Insbesondere für ein kostenloses Angebot jedoch eine gelungene Veröffentlichung (es gibt jede Menge kostenpflichtige Bücher-Apps die weniger bieten und liebloser umgesetzt sind) und ein sehr begrüßenswerter Verstoß der Bayerischen Staatsbibliothek in neue Richtungen — mehr davon!

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Dr. Klaus Ceynowa, dem stellvertretenden Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek.

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22:08 - Fr., 30 Juli 2010
1 Anmerkung

Die meisten Verleger von Zeitungen und Zeitschriften haben ein Problem: Die Verkaufs- und Abonnementzahlen ihrer klassischen Print-Publikationen sind rückläufig, für Inhalte im Internet gegen Geld hat man aber auch noch keine nachhaltig funktionierende Strategie gefunden (und schiebt die Schuld lieber Google in die Schuhe) - die Suche nach dem heiligen Gral der digitalen Verwertung ist also noch nicht beendet.

In der Zwickmühle

Neben dem Kindle von Amazon und anderen dedizierten E-Book-Lesern eröffnet das iPad nun einen weiteren Markt: Gerade das farbige Display und die multimedialen Fähigkeiten machen es für Magazine interessant und stellen damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber den E-Ink-basierten Geräten dar.

Soweit die Theorie, in der Praxis ergeben sich jedoch einige Schwierigkeiten, weshalb der große Durchbruch noch auf sich warten lässt. Da wäre einmal der Vertriebsweg: beim Verkauf über den App Store muß der Verlag 30% seines Kuchens abtreten - das ändert sich auch bei den sogenannten In-App-Käufen nicht. Insbesondere beim Abonnement-Geschäft möchten die Unternehmen das vermeiden und eine eigene Abrechnung vornehmen, eine Einigung mit Apple wurde bisher aber noch nicht erzielt.

Auf der anderen Seite steht die Herausforderung, die Inhalte passend aufzubereiten. Die landläufige Meinung ist, dass digitale Produkte weniger kosten müssen, als ihre analogen Gegenstücke - weil doch anscheinend die Herstellungskosten geringer sind und die Lieferkosten wegfallen. Dementsprechend schwierig ist es einem potentiellen Käufer zu vermitteln, warum er ähnliche Preise für eine App-Ausgabe wie für das bedruckte Papier am Kiosk bezahlen soll. Ein Blick in die App Store Bewertungen der betroffenen Apps offenbart: in Ermangelung der Kenntnis der genauen Zusammenhänge wird der Hersteller dabei oft als Übeltäter aus Profitgier wahrgenommen - vielleicht zu unrecht. Mögliche Lösung: einen Mehrwert der digitalen Editionen generieren - was jedoch unterschiedlich gut gelingt und u.U. mit erheblichen Produktionskosten verbunden ist.

Nationale Geografie aus Deutschland

Diese Woche erschien mit der iPad-Variante des National Geographic ein weiterer Mitspieler am deutschsprachigen Markt - da ich die Printausgabe gut kenne, erschien mir ein Vergleich interessant.

Für 3,99€ (gegenüber 5,00€ im Zeitschriftenhandel) erhält man das vollständige Juli-Heft. Damit habe ich zunächst einmal kein Problem - nach meinen Vorüberlegungen dürften Preise von 50% oder weniger des Ladenpreises unrealistisch sein (auf der anderen Seite: neue Titel und Formate werden im Handel zur Einführung oft mit erheblichen Rabatten promotet - warum nicht auch hier?). Den möglichen Vorteil einer Verfügbarkeit vor der gedruckten Ausgabe hat man diesmal verschenkt - was nicht heißen muss, dass das so bleibt.

Das Interface ist zwar minimalistisch, aber nach meinem Geschmack durchaus noch ausreichend: Seiten lassen sich wie gewohnt per Wischen umblättern und mit zwei Fingern zoomen, Miniaturansichten und ein Inhaltsverzeichnis können zur direkten Navigation einblendet werden, nach Drehung in den Landschafts-Modus des iPads wird eine Doppelseite dargestellt. Soweit so gut, doch damit endet leider auch schon die Liste der positiven Dinge.

Pixelfäule

Das Zoomen ist stufenlos möglich, wird aber ab einer relativ kleinen Vergrößung bereits blockiert - verpassen tut man dabei nichts (dazu gleich mehr). Im herangezoomten Zustand ist kein Blättern möglich, man muß zunächst in die 100%-Ansicht zurückkehren. Wenig benutzerfreundlich: Die letzte Leseposition wird beim Verlassen der Applikation nicht gespeichert - man startet bei jedem Aufruf wieder auf der Titelseite.

Der weitaus schlimmste Mangel ist jedoch die fehlende Qualität der integrierten Fotos: bei einigen sind bereits in der normalen Darstellung Komprimierungsartefakte in Form von Schlieren sichtbar. Die Zoomfunktion wird dadurch wertlos, dass sie keine zusätzlichen Details der Fotografien und Illustrationen zu Tage bringt, sondern nur gröbere Pixel. Bei einem Magazin, das u.a. für seine Bildberichterstattung weltberühmt ist, schmerzt dies umso mehr. Ironischerweise scheinen die ebenfalls enthaltenen Werbeseiten mit einer höheren Auflösung hinterlegt zu sein: die Bildschärfe sowie die Darstellung beim Vergrößern sind allgemein etwas besser.

Glorifizierter PDF Betrachter

Damit ist die Anwendung leider kein untypischer Vertreter ihrer Zunft: Als Ausgangsbasis diente offensichtlich ein PDF der fertigen Printausgabe. In punkto Navigation und Funktionsumfang wird nichts geboten, was ein generischer PDF Betrachter wie der Goodreader oder sogar iBooks nicht genauso gut oder besser machen würden. Doch selbst unter diesen Voraussetzungen wäre es sicher möglich gewesen, wenigstens das Bildmaterial in angemessener Qualität zu präsentieren.

Immerhin (oder leider) scheint sich der Herausgeber der Unzulänglichkeiten bewusst zu sein - so würde ich zumindest die Vorstellung auf der eigenen Website interpretieren:

“Für das Juli-Heft war es uns noch nicht möglich, alle unsere Ideen umzusetzen.” […] Dennoch: Mit einigen Änderungen in der Bedienung sowie kleineren Layoutanpassungen ist es uns gelungen, den Inhalt unseres Magazins in den Mittelpunkt zu stellen und NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND auf dem iPad gut erfahrbar zu machen.”

Letzteres kann ich leider nicht bestätigen. Ob man sich und dem gesamten Markt der E-Publikationen einen Dienst erweist, indem man solche uninspirierten Konzepte veröffentlicht und damit die existierenden Befürchtungen und Vorurteile schürt, wage ich zu bezweifeln.

Fazit

Der Sprung vom Papier auf den Touchscreen ist dem National Geographic Deutschland mit dieser ersten iPad-Ausgabe noch nicht geglückt: für diesen Preis wird einfach zu wenig geboten - bleibt zu hoffen, dass man bei zukünftigen Ausgaben schnell nachbessert. Wer sich bereits jetzt gelungenere Versuche ansehen möchte, dem seien z.B. die Apps der amerikanischen Magazine WIRED, Popular Science oder Popular Mechanics empfohlen.

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