- 14:59 - Mi., 4 Aug. 2010
- 2 Anmerkungen
Fünf Fragen an… Dr. Rudolf Mumenthaler
In dieser Rubrik sollen zukünftig iPad-Besitzer zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen - vor allem im professionellen Einsatz - berichten.
Den Anfang macht heute Dr. Rudolf Mumenthaler, Leiter des Bereichs Innovation und Marketing an der ETH-Bibliothek in Zürich. Seit 2009 befasst er sich dort mit Innovationsmanagement und setzt sich dabei intensiv mit E-Book-Readern und ihren Einsatzmöglichkeiten in Hochschulbibliotheken auseinander.
In seinem Blog hat er bereits zahlreiche Beiträge zu seinen Erfahrungen mit E-Book-Readern und zuletzt dem iPad veröffentlicht, ganz aktuell in einem Artikel mit dem Titel iPad als Notebook-Ersatz?.
PADOLOGISCH: Herr Dr. Mumenthaler, wie magisch und revolutionär ist denn nun das iPad? Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Dr. Mumenthaler: Ja, meine Erwartungen wurden erfüllt. Magisch ist die Leichtigkeit und Geschwindigkeit, mit der man die unterschiedlichsten Inhalte nutzen kann. Der Zugang zu Mails, zum Kalender und zu allen möglichen Internetquellen ist so einfach wie mit keinem anderen Gerät. Im Vergleich zu PCs hat mich insbesondere die Schnelligkeit überrascht. Das iPad ist in Sekundenbruchteilen gestartet. Deshalb checke ich Mails und News im Web am liebsten vom iPad aus.
PADOLOGISCH: Sie haben den Selbstversuch gemacht, ihr Notebook im Dock gelassen und sich auf das iPad als mobilen Computer beschränkt - mit welchem Ergebnis?
Dr. Mumenthaler: Mit sehr zufriedenstellendem Ergebnis. Zunächst schone ich meinen Rücken, da ich viel weniger Gewicht mit mir herumtrage. Trotzdem konnte ich wirklich fast alle Aufgaben mit dem iPad lösen. Ich habe sogar eine Vortragspräsentation direkt ab iPad (mit Keynote) über den Beamer gemacht. Da das iPad keine der üblichen Hardware-Schnittstellen aufweist, insbesondere keine Anschlussmöglichkeit für einen USB-Stick, ist die Integration in die Cloud umso wichtiger. Die Synchronisation via iTunes als Hauptweg finde ich nicht zeitgemäss.
Dabei vermisse ich auch eine File-Struktur auf dem iPad, wie sie für PC und Mac selbstverständlich ist. Es gibt auf dem iPad also keinen Ort, an dem ich alle Dokumente speichern kann. Auch dafür muss ich den Umweg über Applikationen wie Dropbox nehmen. Ideal wäre ein virtuelles Laufwerk, das die Daten in der Cloud speichert, die dann von jeder Applikation auf dem iPad (und dem PC) erreichbar wären. Das vermisse ich mehr als die USB-Schnittstelle.
PADOLOGISCH: Das iPad als Notebook-Ersatz? - viele Medien haben in ihren ersten Besprechungen ähnliche Vergleiche gezogen. Muss man sich davon nicht etwas lösen? Ist das iPad zwar für manche Aufgaben weniger geeignet, öffnet dafür aber die Türen für ganz neue mobile Einsatzgebiete?
Dr. Mumenthaler: In meinem Fall deckt das iPad die allermeisten Anwendungsfälle ab, die ich sonst mit dem Notebook erledigt habe. Insofern ersetzt es mir das Notebook sehr gut, aber nicht den PC. Wobei Smartphones (nicht nur das iPhone…) hier noch weitere Möglichkeiten bieten, für die das iPad dann doch wieder zu sperrig ist. Vom iPhone aus nutze ich zum Beispiel die geobasierten Anwendungen wie Foursquare oder auch Apps zum Aufzeichnen von Trainingseinheiten beim Jogging. Also ist das iPad eben doch ein zusätzliches Gerät zum PC und zum Smartphone.
PADOLOGISCH: Nur eine Minderheit der existierenden Apps nutzt bereits konsequent alle Möglichkeiten des iPads (z.B. das Multitouch-Bedienkonzepts), Spiele präsentieren dabei häufig noch die innovativsten Ideen. Ist das ein natürlicher Lernprozess? Erwarten Sie in einem Jahr Anwendungen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können?
Dr. Mumenthaler: Oh ja. Die neuste solcher Anwendungen, die ich mir bisher gar nicht vorstellen konnte, ist Flipboard. Es bietet auf geniale Weise die Integration der sozialen Netzwerke und von News in eine personalisierte Oberfläche, die nach einem professionellen Magazin aussieht. Ich sehe hier durchaus Parallelen zur Entwicklung bei den Smartphones. Wenn ich denke, wie sich die geobasierten Informationen oder augmented Reality, die vor kurzem noch nach reiner Science Fiction tönten, durchsetzen konnten, dann kann beim iPad noch viel passieren. Das iPhone hat einen gewaltigen Innovationsschub ausgelöst, und ich erwarte das auch beim iPad. Nicht nur bei den Spielen, sondern auch bei alltäglichen Anwendungen, wie z.B. bei den News. Auch die E-Books dürften künftig vermehrt mit multimedialen Inhalten angereichert werden und ganz neue Präsentationsformen bringen.
PADOLOGISCH: Wie beurteilen Sie das iPad im Vergleich mit dedizierten E-Book-Readern wie dem Kindle von Amazon? Gibt es einen Markt für beide Gerätearten oder werden sich langfristig die Multifunktionalen durchsetzen?
Dr. Mumenthaler: Amazon hat mit der massiven Preisreduktion gezeigt, wo die Zukunft der dedizierten E-Book-Reader sein wird: als preisgünstiges mobiles Lesegerät. Der Kindle spricht eine ganz andere Zielgruppe an als das iPad. In den USA sind weit über die Hälfte der Kindle-User über 40 Jahre alt, und diese Zielgruppe ist ja durchaus interessant. Das iPad dagegen spricht auch jüngere Generationen an. Als eReader sind hier die Zeitungen und Magazine wichtiger als die E-Books. Aktuelle Nutzerstudien zeigen, dass nur rund ein Drittel der iPad-Nutzer das Gerät zum Lesen von E-Books einsetzt. Wichtigste Anwendung des iPad ist die Internetnutzung. Insofern gibt es für beide Geräte einen Markt.
Nach seiner aktuellen Lieblingsapp gefragt, zeigt sich Dr. Mumenthaler zwar momentan von Flipboard begeistert, gibt dann aber doch Dropbox den Vorzug. Mit Hilfe von Dropbox lasse sich das iPad recht gut in die Cloud integrieren, um Dokumente zwischen PC, Mac, iPhone und iPad auszutauschen und auch mit anderen Personen zu teilen: “In Verbindung mit Quickoffice kann ich alle gängigen Dokumente – vom Worddokument, über eine Exceltabelle bis zur PowerPoint-Präsentation – verwalten und online nutzen. Bei Keynote und Pages vermisse ich die Unterstützung von Dropbox. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.”
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