- 9:26 - Di., 24 Aug. 2010
Fünf Fragen an… Thomas Cloer
Man könnte vermuten, wer tagtäglich mit den neuesten Errungenschaften der Informationstechnik in Berührung kommt, sei in der Regel kritischer und weniger begeisterungsfähig für neue Produkte, als ein normaler Computer-Benutzer. Nach zurückhaltenden Einschätzungen vor dem Launch, hat sich die Technologie-Presse zuletzt meist positiv zum iPad geäußert. Love it or hate it war ebenfalls ein häufig anzutreffende Meinung.

Thomas Cloer ist leitender Redakteur des Bereichs Nachrichten bei COMPUTERWOCHE.de und sitzt außerdem für den offiziellen Twitter-Feed der Redaktion an der Tastatur, privat bloggt der Journalist unter teezeh.de. In den letzten Monaten hat er sich sein eigenes kritisches Bild gemacht.
PADOLOGISCH: Angenommen jemand klaut Dein iPad, Thomas — würde es Dir fehlen? Würdest Du es wieder kaufen?
Thomas Cloer: Fehlen würde es mir auf jeden Fall. Man kann sich schon sehr daran gewöhnen, das Ding immer griffbereit zu haben. Am häufigsten und am liebsten nehme ich das iPad in jedem Fall auf dem Sofa zur Hand. Ob ich es wieder kaufen würde? Passt bei mir aktuell nicht ganz — denn ich habe “mein” iPad als Teststellung von Apple bekommen. Die Frage wäre also eher: Würde ich es mir selbst kaufen, sobald ich das Testgerät zurückgeben muss? Antwort: 50:50 — und wenn, dann sicher nicht das Topmodell mit 64 GB und 3G. 817 Euro sind mir dafür schlicht zu viel.
PADOLOGISCH: Als Angehöriger der schreibenden Zukunft: Stellt das iPad für dich eine ernsthafte Alternative zum Notebook als mobilen Arbeitsplatz dar?
Thomas Cloer: Auf keinen Fall. Man kann zwar auf der virtuellen Tastatur deutlich besser schreiben als ich ursprünglich gedacht hätte. Aber viel länger als ein paar Tweets mag ich damit auch nicht tippen. Außerdem fehlt mir eine hinreichend mächtige Textverarbeitung — Pages ist ganz nett, aber nicht für meine Zwecke. Das Keyboard-Dock habe ich übrigens noch nicht ausprobiert. Wüsste auch nicht, warum ich das tun sollte, denn ich habe ein MacBook Pro auf dem (heimischen) Schreibtisch stehen. Und für einen mobilen Arbeitsplatz reicht das iPad definitiv nicht — ich sage mal nur USB und Drucken…
PADOLOGISCH:Mehr als 3 Millionen verkaufte iPads im ersten Quartal seit Markteinführung — überzeugte Nutzer, Geek-Statussymbol oder Hype? Was glaubst Du, wie viel Substanz hat dieser Erfolg?
Thomas Cloer: Geek-Statussymbol ist gewiss ein gutes Stichwort. Fanboys ein anderes. Apple ist es aber definitiv mit dem iPad auch gelungen, der Tablet-Gattung, an der sich Microsoft samt Hardwarepartnern über Jahre vergeblich versucht hat, endlich Leben einzuhauchen. Und zwar durch Fokus auf das Wesentliche und Weniger ist (manchmal) mehr. Die Verkaufszahlen werden für Apple sicher zurückgehen, wenn irgendwann mehr brauchbare Tablet-Alternativen am Markt sind - da glaube ich übrigens eher an Geräte mit Android respektive künftig auch Chrome OS denn an Windows 7. Eine spannende Frage wird außerdem sein, inwieweit das iPad Apples Notebook-Verkäufe kannibalisiert. Zuletzt war davon ja noch nichts zu spüren.
PADOLOGISCH: Deinem Blog kann man entnehmen, dass auf Deinem Mobiltelefon Android und nicht iOS läuft. Wäre Dir ein Gerät mit iPad Hardware und Googles Software-Plattform lieber?
Thomas Cloer: Nein. Ich habe so lange die ersten drei iPhone-Generationen auch beruflich beackert, dass ich irgendwann a) einfach die Nase voll hatte und b) auch Lust, mich mal wieder intensiver mit einer anderen Plattform zu befassen. Die Kombination aus Apple-Hardware (die sicher mit der nächsten iPad-Generation nochmal interessanter wird) und iOS finde ich schon sehr gelungen. Und bin auch schon sehr gespannt, wie iOS 4 auf dem iPad läuft, wenn Apple es dann irgendwann mal fertig hat.
PADOLOGISCH: Apples Wettbewerber erholen sich langsam vom Überraschungserfolg des iPad und es gibt ständig Neuankündigungen von (häufig Android-basierten) Tablett-Computern. Rechnest du zeitnah mit relevanten Alternativen?
Thomas Cloer: Ich glaube schon, dass wir zum Weihnachtsgeschäft zumindest ein paar interessante Android-Tablets sehen werden. Ganz persönlich bin ich aber eher auf Chrome OS gespannt. Einfach weil Android doch bislang primär für Smartphones entwickelt wurde und nicht für Tablet-Computer.
Home Screen
“Meine derzeitige Lieblings-App auf dem iPad ist definitiv Flipboard. Das ist überhaupt die erste App, die aus meiner Sicht dem iPad wirkiich gerecht wird. Eher traurig stimmen mich hingegen die vielen miesen Adaptionen von Print-Publikationen - um nur ein Beispiel zu nennen die Welt ohne einen einzigen externen Link. Eine rühmliche Ausnahme ist vielleicht die WIRED, die allerdings für ihre viel zu großen Downloads pro Ausgabe ein dickes Minus kassiert. Ich hoffe, da kommt noch mehr…”
