PADOLOGISCH - das etwas andere iPad-Blog

Aug. 04

Fünf Fragen an… Dr. Rudolf Mumenthaler

In dieser Rubrik sollen zukünftig iPad-Besitzer zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen - vor allem im professionellen Einsatz - berichten.

Den Anfang macht heute Dr. Rudolf Mumenthaler, Leiter des Bereichs Innovation und Marketing an der ETH-Bibliothek in Zürich. Seit 2009 befasst er sich dort mit Innovationsmanagement und setzt sich dabei intensiv mit E-Book-Readern und ihren Einsatzmöglichkeiten in Hochschulbibliotheken auseinander.

In seinem Blog hat er bereits zahlreiche Beiträge zu seinen Erfahrungen mit E-Book-Readern und zuletzt dem iPad veröffentlicht, ganz aktuell in einem Artikel mit dem Titel iPad als Notebook-Ersatz?.

PADOLOGISCH: Herr Dr. Mumenthaler, wie magisch und revolutionär ist denn nun das iPad? Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Dr. Mumenthaler: Ja, meine Erwartungen wurden erfüllt. Magisch ist die Leichtigkeit und Geschwindigkeit, mit der man die unterschiedlichsten Inhalte nutzen kann. Der Zugang zu Mails, zum Kalender und zu allen möglichen Internetquellen ist so einfach wie mit keinem anderen Gerät. Im Vergleich zu PCs hat mich insbesondere die Schnelligkeit überrascht. Das iPad ist in Sekundenbruchteilen gestartet. Deshalb checke ich Mails und News im Web am liebsten vom iPad aus.

PADOLOGISCH: Sie haben den Selbstversuch gemacht, ihr Notebook im Dock gelassen und sich auf das iPad als mobilen Computer beschränkt - mit welchem Ergebnis?

Dr. Mumenthaler: Mit sehr zufriedenstellendem Ergebnis. Zunächst schone ich meinen Rücken, da ich viel weniger Gewicht mit mir herumtrage. Trotzdem konnte ich wirklich fast alle Aufgaben mit dem iPad lösen. Ich habe sogar eine Vortragspräsentation direkt ab iPad (mit Keynote) über den Beamer gemacht. Da das iPad keine der üblichen Hardware-Schnittstellen aufweist, insbesondere keine Anschlussmöglichkeit für einen USB-Stick, ist die Integration in die Cloud umso wichtiger. Die Synchronisation via iTunes als Hauptweg finde ich nicht zeitgemäss.

Dabei vermisse ich auch eine File-Struktur auf dem iPad, wie sie für PC und Mac selbstverständlich ist. Es gibt auf dem iPad also keinen Ort, an dem ich alle Dokumente speichern kann. Auch dafür muss ich den Umweg über Applikationen wie Dropbox nehmen. Ideal wäre ein virtuelles Laufwerk, das die Daten in der Cloud speichert, die dann von jeder Applikation auf dem iPad (und dem PC) erreichbar wären. Das vermisse ich mehr als die USB-Schnittstelle.

PADOLOGISCH: Das iPad als Notebook-Ersatz? - viele Medien haben in ihren ersten Besprechungen ähnliche Vergleiche gezogen. Muss man sich davon nicht etwas lösen? Ist das iPad zwar für manche Aufgaben weniger geeignet, öffnet dafür aber die Türen für ganz neue mobile Einsatzgebiete?

Dr. Mumenthaler: In meinem Fall deckt das iPad die allermeisten Anwendungsfälle ab, die ich sonst mit dem Notebook erledigt habe. Insofern ersetzt es mir das Notebook sehr gut, aber nicht den PC. Wobei Smartphones (nicht nur das iPhone…) hier noch weitere Möglichkeiten bieten, für die das iPad dann doch wieder zu sperrig ist. Vom iPhone aus nutze ich zum Beispiel die geobasierten Anwendungen wie Foursquare oder auch Apps zum Aufzeichnen von Trainingseinheiten beim Jogging. Also ist das iPad eben doch ein zusätzliches Gerät zum PC und zum Smartphone.

PADOLOGISCH: Nur eine Minderheit der existierenden Apps nutzt bereits konsequent alle Möglichkeiten des iPads (z.B. das Multitouch-Bedienkonzepts), Spiele präsentieren dabei häufig noch die innovativsten Ideen. Ist das ein natürlicher Lernprozess? Erwarten Sie in einem Jahr Anwendungen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können?

Dr. Mumenthaler: Oh ja. Die neuste solcher Anwendungen, die ich mir bisher gar nicht vorstellen konnte, ist Flipboard. Es bietet auf geniale Weise die Integration der sozialen Netzwerke und von News in eine personalisierte Oberfläche, die nach einem professionellen Magazin aussieht. Ich sehe hier durchaus Parallelen zur Entwicklung bei den Smartphones. Wenn ich denke, wie sich die geobasierten Informationen oder augmented Reality, die vor kurzem noch nach reiner Science Fiction tönten, durchsetzen konnten, dann kann beim iPad noch viel passieren. Das iPhone hat einen gewaltigen Innovationsschub ausgelöst, und ich erwarte das auch beim iPad. Nicht nur bei den Spielen, sondern auch bei alltäglichen Anwendungen, wie z.B. bei den News. Auch die E-Books dürften künftig vermehrt mit multimedialen Inhalten angereichert werden und ganz neue Präsentationsformen bringen.

PADOLOGISCH: Wie beurteilen Sie das iPad im Vergleich mit dedizierten E-Book-Readern wie dem Kindle von Amazon? Gibt es einen Markt für beide Gerätearten oder werden sich langfristig die Multifunktionalen durchsetzen?

Dr. Mumenthaler: Amazon hat mit der massiven Preisreduktion gezeigt, wo die Zukunft der dedizierten E-Book-Reader sein wird: als preisgünstiges mobiles Lesegerät. Der Kindle spricht eine ganz andere Zielgruppe an als das iPad. In den USA sind weit über die Hälfte der Kindle-User über 40 Jahre alt, und diese Zielgruppe ist ja durchaus interessant. Das iPad dagegen spricht auch jüngere Generationen an. Als eReader sind hier die Zeitungen und Magazine wichtiger als die E-Books. Aktuelle Nutzerstudien zeigen, dass nur rund ein Drittel der iPad-Nutzer das Gerät zum Lesen von E-Books einsetzt. Wichtigste Anwendung des iPad ist die Internetnutzung. Insofern gibt es für beide Geräte einen Markt.

Nach seiner aktuellen Lieblingsapp gefragt, zeigt sich Dr. Mumenthaler zwar momentan von Flipboard begeistert, gibt dann aber doch Dropbox den Vorzug. Mit Hilfe von Dropbox lasse sich das iPad recht gut in die Cloud integrieren, um Dokumente zwischen PC, Mac, iPhone und iPad auszutauschen und auch mit anderen Personen zu teilen: “In Verbindung mit Quickoffice kann ich alle gängigen Dokumente – vom Worddokument, über eine Exceltabelle bis zur PowerPoint-Präsentation – verwalten und online nutzen. Bei Keynote und Pages vermisse ich die Unterstützung von Dropbox. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.”

Aug. 03

Interview mit On-Off-iOS-Entwickler Fraser Speirs ("Viewfinder for iPad") -

Interessante Geschichte und ein Format, wie ich es auch auf PADOLOGISCH bringen möchte.

“Our retail checks suggest this share shift continues in July, where the iPad is directly cannibalizing demand for other vendors’ NB products. Remarkably, Apple’s traditional MacBook business posted accelerated unit growth on a Y/Y basis in 2Q despite the launch of the iPad while every other Top 5 vendor slowed.” — Chris Whitmore, Deutsche Bank via Fortune Magazine With iPad, Apple is No. 3 in portables

Aug. 02

“Tablets are, like smartphones, another growth market that Microsoft is going to fail to capitalize on, thanks to a failure to understand the company’s past failures, and a stubborn refusal to recognize that not everything is a PC.” — Peter Bright, Ars Technica

Aug. 01

“Wenn ich einen Leser sehe, der auf seinem iPad oder Kindle liest, dann freue ich mich. Ohne diese Geräte hätten wir ihn in dem Moment vielleicht gar nicht erreichen können, weil das Buch zu Hause liegen gelassen wurde. Doch auf dem elektronischen Lesegerät bekommen wir ihn immer. Das ist eine geschenkte Leseminute.” — Markus Dohle, CEO Random House via Spiegel Online

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Juli 30

Papierloses Lesen (2): National Geographic Deutschland

Die meisten Verleger von Zeitungen und Zeitschriften haben ein Problem: Die Verkaufs- und Abonnementzahlen ihrer klassischen Print-Publikationen sind rückläufig, für Inhalte im Internet gegen Geld hat man aber auch noch keine nachhaltig funktionierende Strategie gefunden (und schiebt die Schuld lieber Google in die Schuhe) - die Suche nach dem heiligen Gral der digitalen Verwertung ist also noch nicht beendet.

In der Zwickmühle

Neben dem Kindle von Amazon und anderen dedizierten E-Book-Lesern eröffnet das iPad nun einen weiteren Markt: Gerade das farbige Display und die multimedialen Fähigkeiten machen es für Magazine interessant und stellen damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber den E-Ink-basierten Geräten dar.

Soweit die Theorie, in der Praxis ergeben sich jedoch einige Schwierigkeiten, weshalb der große Durchbruch noch auf sich warten lässt. Da wäre einmal der Vertriebsweg: beim Verkauf über den App Store muß der Verlag 30% seines Kuchens abtreten - das ändert sich auch bei den sogenannten In-App-Käufen nicht. Insbesondere beim Abonnement-Geschäft möchten die Unternehmen das vermeiden und eine eigene Abrechnung vornehmen, eine Einigung mit Apple wurde bisher aber noch nicht erzielt.

Auf der anderen Seite steht die Herausforderung, die Inhalte passend aufzubereiten. Die landläufige Meinung ist, dass digitale Produkte weniger kosten müssen, als ihre analogen Gegenstücke - weil doch anscheinend die Herstellungskosten geringer sind und die Lieferkosten wegfallen. Dementsprechend schwierig ist es einem potentiellen Käufer zu vermitteln, warum er ähnliche Preise für eine App-Ausgabe wie für das bedruckte Papier am Kiosk bezahlen soll. Ein Blick in die App Store Bewertungen der betroffenen Apps offenbart: in Ermangelung der Kenntnis der genauen Zusammenhänge wird der Hersteller dabei oft als Übeltäter aus Profitgier wahrgenommen - vielleicht zu unrecht. Mögliche Lösung: einen Mehrwert der digitalen Editionen generieren - was jedoch unterschiedlich gut gelingt und u.U. mit erheblichen Produktionskosten verbunden ist.

Nationale Geografie aus Deutschland

Diese Woche erschien mit der iPad-Variante des National Geographic ein weiterer Mitspieler am deutschsprachigen Markt - da ich die Printausgabe gut kenne, erschien mir ein Vergleich interessant.

Für 3,99€ (gegenüber 5,00€ im Zeitschriftenhandel) erhält man das vollständige Juli-Heft. Damit habe ich zunächst einmal kein Problem - nach meinen Vorüberlegungen dürften Preise von 50% oder weniger des Ladenpreises unrealistisch sein (auf der anderen Seite: neue Titel und Formate werden im Handel zur Einführung oft mit erheblichen Rabatten promotet - warum nicht auch hier?). Den möglichen Vorteil einer Verfügbarkeit vor der gedruckten Ausgabe hat man diesmal verschenkt - was nicht heißen muss, dass das so bleibt.

Das Interface ist zwar minimalistisch, aber nach meinem Geschmack durchaus noch ausreichend: Seiten lassen sich wie gewohnt per Wischen umblättern und mit zwei Fingern zoomen, Miniaturansichten und ein Inhaltsverzeichnis können zur direkten Navigation einblendet werden, nach Drehung in den Landschafts-Modus des iPads wird eine Doppelseite dargestellt. Soweit so gut, doch damit endet leider auch schon die Liste der positiven Dinge.

Pixelfäule

Das Zoomen ist stufenlos möglich, wird aber ab einer relativ kleinen Vergrößung bereits blockiert - verpassen tut man dabei nichts (dazu gleich mehr). Im herangezoomten Zustand ist kein Blättern möglich, man muß zunächst in die 100%-Ansicht zurückkehren. Wenig benutzerfreundlich: Die letzte Leseposition wird beim Verlassen der Applikation nicht gespeichert - man startet bei jedem Aufruf wieder auf der Titelseite.

Der weitaus schlimmste Mangel ist jedoch die fehlende Qualität der integrierten Fotos: bei einigen sind bereits in der normalen Darstellung Komprimierungsartefakte in Form von Schlieren sichtbar. Die Zoomfunktion wird dadurch wertlos, dass sie keine zusätzlichen Details der Fotografien und Illustrationen zu Tage bringt, sondern nur gröbere Pixel. Bei einem Magazin, das u.a. für seine Bildberichterstattung weltberühmt ist, schmerzt dies umso mehr. Ironischerweise scheinen die ebenfalls enthaltenen Werbeseiten mit einer höheren Auflösung hinterlegt zu sein: die Bildschärfe sowie die Darstellung beim Vergrößern sind allgemein etwas besser.

Glorifizierter PDF Betrachter

Damit ist die Anwendung leider kein untypischer Vertreter ihrer Zunft: Als Ausgangsbasis diente offensichtlich ein PDF der fertigen Printausgabe. In punkto Navigation und Funktionsumfang wird nichts geboten, was ein generischer PDF Betrachter wie der Goodreader oder sogar iBooks nicht genauso gut oder besser machen würden. Doch selbst unter diesen Voraussetzungen wäre es sicher möglich gewesen, wenigstens das Bildmaterial in angemessener Qualität zu präsentieren.

Immerhin (oder leider) scheint sich der Herausgeber der Unzulänglichkeiten bewusst zu sein - so würde ich zumindest die Vorstellung auf der eigenen Website interpretieren:

“Für das Juli-Heft war es uns noch nicht möglich, alle unsere Ideen umzusetzen.” […] Dennoch: Mit einigen Änderungen in der Bedienung sowie kleineren Layoutanpassungen ist es uns gelungen, den Inhalt unseres Magazins in den Mittelpunkt zu stellen und NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND auf dem iPad gut erfahrbar zu machen.”

Letzteres kann ich leider nicht bestätigen. Ob man sich und dem gesamten Markt der E-Publikationen einen Dienst erweist, indem man solche uninspirierten Konzepte veröffentlicht und damit die existierenden Befürchtungen und Vorurteile schürt, wage ich zu bezweifeln.

Fazit

Der Sprung vom Papier auf den Touchscreen ist dem National Geographic Deutschland mit dieser ersten iPad-Ausgabe noch nicht geglückt: für diesen Preis wird einfach zu wenig geboten - bleibt zu hoffen, dass man bei zukünftigen Ausgaben schnell nachbessert. Wer sich bereits jetzt gelungenere Versuche ansehen möchte, dem seien z.B. die Apps der amerikanischen Magazine WIRED, Popular Science oder Popular Mechanics empfohlen.

“Tablets will cannibalize netbooks, outselling netbooks starting in 2012. In 2015, 23% of all PCs sold to consumers in the US will be tablets.” — Sarah Rotman Epps, Forrester Research, Steve Ballmer Is Right: The PC Market Is Getting Bigger

Juli 29

Papierloses Lesen: Fiktionale Texte

Gestern Abend habe ich das erste fiktionale Werk (Ilium von Dan Simmons) auf dem iPad zu Ende gelesen.

Zeitungen, Magazine und Sachbücher sind eine Sache und das iPad als elektronische Bibliothek für meine Fachliteratur war von Anfang an ein geplantes Einsatzgebiet*, aber was die Lektüre von Belletristik angeht war ich doch immer mehr als skeptisch (zumal ich Bücher wirklich liebe und keinen Laden ohne Kauf verlassen kann…).

Nach dieser ersten eigenen Erfahrung stelle ich nun fest: es ist OK. Im Urlaub am Strand würde ich aus praktischen Erwägungen immer noch die Papiervariante dem 600€-Reader vorziehen, aber meine Leidenschaft für die visuelle und haptische Qualität eines Taschenbuchs im Wert von 10€, dass nach einmaligem Lesen vermutlich nie wieder angefasst wird, hält sich dann doch in Grenzen (ich muss auch sagen: irgendwann gibt es auch einfach ein Platzproblem).

Books behind the bed by zimpenfish, on Flickr
Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic License  by  zimpenfish 

Eine Zwischenfrage die sich mir gerade noch stellt und auf die ich als Laie durch simples Nachdenken (keine gefällten Bäume: gut - elektronische Lesegeräte aus China: schlecht) keine klare Antwort finde: wie steht es eigentliche um den ökologischen Fußabdruck von Büchern versus ihren digitalen Ausgaben?

Gelesen habe ich meist in der U-Bahn oder im Bett (d.h. mein eigentliches Leseverhalten ist vom Medium unberührt geblieben), von zusätzlichen (Lesen im Bett macht mich ohnehin meist schläfrig…) Ermüdungserscheinungen aufgrund der Anzeigetechnik kann ich nicht berichten (Tipp für Kinder: Lesen unter der Bettdecke benötigt keine zusätzliche Taschenlampe, ist aber auch lange nicht so romantisch…).

Amüsanter Nachteil der elektronischen Version: bereits vorgestern Abend dachte ich, ich wäre kurz vor Ende des Buchs und müsste “nur noch schnell die letzten Seiten” lesen. Leider stellte sich dann heraus, dass ich mich im Lesewahn bei den Seitenzahlen vertan und noch weitere 100 Seiten vor mir hatte - das wäre mir mit dem Taschenbuch nicht passiert.

Fazit

Papierlose Romane? Hin und wieder ja, z.B. auch für frei erhältliche Ebooks wie die Werke von Cory Doctorow - aber ich kann mir immer noch nicht vorstellen irgendwann keine Bücher mehr zu kaufen.

* Zu den anderen Textformen werde ich noch weitere Erfahrungsberichte schreiben.

Juli 28

“[…] I did get an iPad because a friend of mine showed me his iPad and how he was reading books on it, and how he bought more books once he had the iPad than he had ever bought that last six month on Amazon or going to a bookstore.” — Bret Easton Ellis, Autor (American Psycho) via BigThink

Interpad

Erster richtiger iPad-Rivale aus Deutschland?

Ich möchte hier gar nicht jedes neu angekündigte Android-Tablett vorstellen: Erstens mache ich dann nichts anderes mehr, bei der Fülle die bald erscheinen wird und zweites machen das schon viele andere Websites ausführlicher.

Über das Interpad bin ich heute gestolpert, weil es irgendwo als “erster richtiger iPad-Rivale aus Deutschland” gezeichnet wurde (bezieht sich erster dabei eigentlich auf richtig oder auf Deutschland?). Da sind die Technik-Blogger fast optimistischer als die Hersteller selber, denn das lese ich bei fast jeder Neuvorstellung.

Eventuell ist ja der Wunsch Vater des Gedanken, damit man endlich über einen iPad-Shootout schreiben kann. Ich bleibe da zunächst mal skeptisch, wenn ich mir die Spezifikationen ansehe (keine Integration des Google Market!??) und warte ab, was der Herbst uns bringen wird.

Chancen auf den Thron: unbestimmt.

Juli 23

“[…] Apple has won the battle for tablet computing already, killing those nascent ‘iPad-killers’ (with the possible exception of the spookily similar products from Samsung, which also makes components) before they even get born.” — Jonny Evans, Apple Holic, RIP: Why the iPad ‘killers’ are already dead

Juli 21

Zahlen im Juli 2010

15.700.000.000

US-Dollar hat Apple Inc. (AAPL) im 3. Quartal 2010 umgesetzt.

3.250.000.000

US-Dollar Gewinn wurden dabei im gleichen Zeitraum gemacht.

3.270.000

iPads wurden im 3. Quartal 2010 - in dem es eingeführt wurde - verkauft.

16.655

Anwendungen für das iPad stehen momentan im App Store zum Download bereit.

70

Prozent des Umsatzes erhält ein iOS Entwickler.

Editorial

Eines vorweg: ein typischer Apple-Fanboy bin ich nicht. Auf meinen Desktops lief seit je her Windows (zuletzt auch mal Ubuntu) und ich wahr damit immer zufrieden, meine Musik kam unterwegs nie aus einem iPod. Das iPhone? Bisher kein Interesse: ich telefoniere wenig, mobiles Internet auf einem halbtellergroßen Display hat mich nicht gereizt und wenn ich spielen will, dann benutze ich ein Nintendo DS. Ich gehöre viel mehr zu der Gruppe der iPad-Käufer, für die dies ihr erstes Apple-Produkt ist (je nach Studie zwischen 25 und 30%).

Historie

Die Diskussion, ob das iPad nun eine eigene, neue Geräteklasse darstellt oder nicht, finde ich unerheblich: seinen meßbaren Erfolg (über 3 Millionen verkaufte Geräte in 3 Monaten) schmälert das nicht. Mag sein, dass die PC-Windows-Industrie in den letzten Jahren immer wieder versucht hat mit Tablet-PC, UMPC, und was nicht sonst allem die Evolution der tragbaren Computer voranzutreiben - über ein paar Early Adopter oder ein Nischen-Dasein in sehr speziellen Anwendungsszenarien ist man dabei nicht hinausgekommen.

Vor etwa zwei Jahren gab es dann wieder einen Hoffnungsschimmer für den PC-Markt: die Welle der kleinen und kostengünstigen Netbooks erfasste auch mich. War ich zunächst noch zufrieden, so musste ich schon bald feststellen, dass ich nach wie vor versuchte meine “große” Desktopumgebung auf dem kleinen Bruder nachzubauen - inkl. der hardwarebedingten Abstriche, da half auch die bessere Performance von Windows 7 nichts.

And along came the iPad…

Liebe auf den ersten Blick war es nicht, dafür war meine gelernte Skepsis gegenüber Apple-Produkten zu tief verwurzelt: kein US-Import, keine Vorbestellung zum Vekaufsstart in Deutschland. Erst eine hands-on Demonstration eines Freundes triggerte die Kaufentscheidung. Apple ist es gelungen der Idee des tragbaren Tablett-Computers das entscheidende Etwas hinzuzufügen, das für mich und viele andere den Ausschlag gegeben hat - ob es der Formfaktor, das überlegene Multi-Touch-Interface, das allgemeine Bedienkonzept oder etwas anderes war ist letztendlich egal.

Das iPad füllt eine Lücke in meinem digitalen Alltag, die bisherige Endgeräte nicht schließen konnten. Wer auch nur ein bisschen Liebe für Science-Fiction hat, kann vielleicht mein Gefühl nachvollziehen: jetzt sind wir der Zukunft wieder ein Stückchen näher gekommen. Der Unterhaltungsfaktor spielt dabei auch eine große Rolle und damit meine ich nicht Spiele: schon lange hat es nicht mehr solchen Spaß gemacht sich mit einem neuen Computer zu beschäftigen - und ich hatte wirklich schon viele Rechner. Mein Netbook habe ich übrigens mittlerweile wieder verkauft.

Magie, Regenbögen und Einhörner

Die Kampagne von Apple zur Vermarktung des iPads wendet sich stark an Menschen, die bisher keinen Computer hatten oder wollten - das mag stimmen und auch funktionieren, deckt aber nur einen Teil der Käufergruppe ab. Das Attribut magisch hat mich eher abgeschreckt, weil es nach substanzlos klingt. Vielleicht hatte die Agentur von Apple aber auch nur das dritte Clarksche Gesetz im Kopf: “Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden”.

Mich reizt vor allem das Potential eines ganz neuen Umgangs mit mobilen Computern. Was momentan an Anwendungen existiert kann daher nur der Anfang sein: zukünftige App-Generationen werden neue Wege entdecken, neue Interface-Konzepte entwickeln, die sich von der herkömmlichen Tastatur-Maus-getriebenen Software absetzen. - und ich habe hier und jetzt ein Gerät in der Hand um daran teilzuhaben.

Kritiker des iPad, die z.B. eine bessere Word- oder Excel-Integration vermissen, verfehlen den Punkt und sollten besser wieder zu ihrem Laptop zurückkehren. Ich bin gerade an den Anwendungen interessiert, für die es kein Äquivalent auf dem herkömmlichen Computer-Desktop gibt.

Thronanwärter

Meine Skepsis gegenüber Apple ist damit übrigens nicht von heute auf morgen vom Tisch: Kein Unternehmen dieser Größe kann nur gut oder nur böse sein. Wer als Konsument alles blind und kritiklos in den Himmel preist, was von Apple produziert wird, ist dumm und erlebt spätestens seit dem Antennagate ein unangenehmes Erwachen: Auch Apple ist nicht perfekt - was mir persönlich irgendwie sympathischer ist, solange es die Ausnahme bleibt.

Mich überzeugt jedoch das Konzept des iPad - und nicht das Gerät oder das Unternehmen per se - von daher hoffe ich wirklich, dass sich ein relevanter Wettbewerb entwickeln wird. Momentan habe ich allerdings noch keinen iPad-Killer gesehen, nur jede Menge Anwärter - der Vergleich zum iPhone und dem Mobiltelefonmarkt liegt nahe: hier hat die Konkurrenz ebenfalls sehr lange gebraucht, um auch nur vergleichbare Geräte herauszubringen.

Padologisch

Die Suche nach relevanten Hintergrundinfos und aussagekräftigen App-Besprechungen ist mir kurz nach dem Kauf nicht leicht gefallen. Klar, der Weg führte von der Pflichtberichterstattung der einschlägigen Tech- und Apple-Blogs über den App Store (dessen Bewertungssystem ich als nur wenig hilfreich kennengelernt habe) zu Review-Portalen deren Strategie ‘Masse statt Klasse’ zu sein scheint. An einem Ort gebündelt habe ich die Infos, die mich interessierten, nicht gefunden.

Das zu verbessern ich mein Anspruch für dieses Blog: Fakten, Besprechungen und vor allem Geschichten rund um ein - möglicherweise - revolutionäres Gerät.

PS: Mit der Suche nach dem tieferen Sinn des Titels sollte man nicht zu viel Zeit verbringen: dahinter verbirgt sich keine krankhafte Leidenschaft des Autors für das Produkt, sondern lediglich ein kleines, prägnantes Wortspiel.